Liondancer's Tagebuch


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Der kniende Christ

Ich habe gerade das Buch Der kniende Christ (anonym, Herold-Verlag) zur Hand genommen und aufgeschlagen, das seit Monaten, wenn nicht Jahren im Regal steht und darauf wartete.

Der Übersetzer schreibt im Vorwort:

Der Verfasser des Buches schrieb u. a. von seiner eigenen Arbeit: "Jeder Versuch, mit dem Schreiben zu beginnen, wurde vereitelt... irgendeine geheimnisvolle Macht scheint die Hand zu hindern. Sind wir uns klar darüber, daß der Teufel nichts so sehr fürchtet wie das Gebet?"
Dieselbe Erfahrung habe ich beim Übersetzen des Buches gemacht.

Ob das auch der Grund ist, warum ich mit der Gebetswelle nicht weiterkomme? Der Übersetzer schreibt weiter:

Darum glaube ich, daß die Ermunterung zum Gebet zum besonderen Segen werden darf.

Das heißt wohl auch, dass die Gebetswelle, richtig verstanden, anderen und auch mir über kurz oder lang zum Durchbruch verhelfen wird? Zum Schluss schreibt er:

Dieser Tage las ich als Beurteilung über die gegenwärtigen Verhältnisse unter Gläubigen und in den Gemeinden: "Darüber sind wir uns klar: Wir haben das Gebet verloren. Unsere Antenne zum Ewigen ist nicht mehr in Ordnung!"

Ich weiß nicht, wann er das Buch übersetzte, aber ist es nicht heute genauso? Lauheit scheint die ganze Geschichte der Gemeinde zu durchziehen. Bereits Spurgeon beklagte ja vor über 100 Jahren die Nachlässigkeit und Beliebigkeit seiner Zeitgenossen.

Das Vorwort endet:

Möge da dieses Buch einen Dienst zur Verherrlichung unseres Herrn tun dürfen.

Ich hoffe, ich bleibe "dran" und das Buch tut diesen Dienst auch an mir.

2.9.06 00:13


Weder verwandt noch verschwägert

Zumindest weiß niemand, wie und um wieviele Ecken wir vielleicht verwandt sind. Aber da auch ein "Kleindarsteller" einen anständigen Eintrag in der Wikipedia verdient hat, wenn er in genug Filmen mitgewirkt hat, habe ich mir mal die Mühe gemacht:

Hellmuth Helsig in der Wikipedia

Er war übrigens 40, als der erste Film mit ihm in die Kinos kam. Vielleicht sollte ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass auch mein Leben noch "enzyklopädiewürdig" wird?

15.8.06 09:35


Bringt das Evangelium Frieden?

Eben habe ich nach langer Zeit mal wieder ein Andachtsbuch in die Hand genommen, in dem für jeden Tag ein kurzer Text aus Martin Luthers "Schatzkästlein" steht. Die ursprüngliche Sprache Luthers (bzw. deren Bearbeitung aus dem 18. Jahrhundert) wurde nicht verändert, so dass wir heute wohl den einen oder anderen Satz mehrmals lesen müssen, um ihn zu verstehen. Unter dem 14. August steht:

Wir haben diesen Mann gefunden schädlich, und der Aufruhr erregt allen Juden auf dem ganzen Erdboden. Apostelgeschichte 24, 5 (Lutherbibel von 1545).

Jedermann klagt und schreit, das Evangelium mache viel Unfrieden, Hader und unordentliches Wesen in der Welt und stehe alles ärger, seit es aufgekommen ist, als vorher, wo es fein stille zuging und keine Verfolgung war, und die Leute miteinander lebten als gute Freunde und Nachbarn. Solchen unnützen Mäulern ist zu antworten: Es kann und soll nicht fein zugehen. Denn wie sollte es wohl zugehen, wo der Teufel das Regiment hat und dazu dem Evangelio totfeind ist? - Darum hoffe keines Friedens und stillen Wesens, solange sich Christus mit seinem Evangelio in des Teufels Reich legt. Und wehe des Wohlgehens und guten Gemachs, das vorhin gewesen ist und sie jetzt wünschen und begehren, denn das ist ein gewisses Zeichen, daß der Teufel mit aller Gewalt regiert und kein Christus da ist. Wie ich leider! besorge, daß es wieder so gehen wird und das Evangelium allzu früh von uns Deutschen kommen wird, darnach solche Schreier jetzt ringen.

(aus: Dr. Martin Luther: Christlicher Wegweiser für jeden Tag. Neu zusammengestellt und herausgegeben von Helmut Korinth, Hamburg 1980, 13. Auflage Januar 1993)

14.8.06 16:49


Rinderbaron auf Vietnamesisch

Im Herbst hatte ich im Studium ein Referat über "Mikrokredite" am Beispiel von "Opportunity International" (www.oid.org) gehalten. In der August-Ausgabe von "allianzmission aktuell" (www.allianz-mission.de) habe ich jetzt auch einen netten Artikel zu dem Thema gefunden:

Durch die Kuh-Bank zum Multimillionär

"[...] Herr Nhan und seine Frau Tam haben im April 2001 eine Kuh durch das Kuh-Bank-Projekt der AM bekommen. Obwohl sie sehr arm waren, hatten sie damals privat einiges an Geld geliehen, um sich eine bereits trächtige Kuh zu kaufen. Offenbar haben die beiden eine glückliche Hand mit Kühen. Inzwischen haben sie längst ihr erstes weibliches Kalb an die Kuh-Bank zurückgezahlt und weitere 2 Kälber verkauft. Als wir sie im Mai 2006 besuchten, hatten sie immer noch 6 Kühe/Kälber übrig und von den 2 ausgewachsenen Kühen waren zwei bereits wieder trächtig. Zählt man diese zwei noch nicht geborenen Kälber dazu, sind aus einer Mutterkuh zehn weitere Kühe entstanden. [...]

Mit 4 Millionen VN Dong (etwa 200 Euro) hatte die Familie begonnen, nach nur fünf Jahren ist der Wert der Gesamtherde (noch ohne die zu erwartenden neuen Kälber) auf etwa 80 Millionen VN Dong (etwa 4.000 Euro) angestiegen. Eine Geldanlage, die sich innerhalb von 5 Jahren um den Faktor 20 (!) vergrößert, lässt jeden Investment-Banker neidisch werden.

Natürlich ist nicht jeder Klient so erfolgreich..., aber der zuständige Tierarzt erklärte mir, dass er 31 Klienten betreut, die nach Rückzahlung des "Kuh-Kredites" jeweils vier Kühe besitzen, und weitere 14 Klienten besucht, die jeweils fünf bis sechs Kühe ihr eigen nennen. Die Idee der Kuh-Bank funktioniert also wirklich und Gott hat Segen gegeben.

Die Kinder von Herrn Nhan und Frau Tam können eine gute Ausbildung machen und die Familie wird sich in diesem Jahr endlich ein neues Haus bauen. Aus eigener Kraft konnten sie, mit der Anschubhilfe durch die AM, aus dem Kreislauf der Armut aussteigen."

 

Eine Existenzgründung für 200 Euro, wow.

14.8.06 16:13


Wikipedia und die Mikrowelle

Seit ein paar Tagen bin ich in der Wikipedia aktiv. Guxtu hier.

Nach der Überarbeitung des Artikels über "meine alte Sekte" habe ich nochmal nach deren Abspaltung gefahndet, die die alten Lehren weiter verbreitet, und festgestellt, dass einer ihrer amerikanischen Pastoren mit Nachnamen Shumway heißt. Ob von dem der Fernseh-ALF seinen "bürgerlichen" Namen Gordon Shumway hat? Ein bisschen außerirdisch ist der Verein schon ;-)

War da nicht irgendwas mit Katzenfutter und Mikrowelle? Giacomo, Jared... Guckt mal hier den Backofen, wollt ihr nicht da drin ein bisschen spielen?

Meine Hoffnung, dass die Jungs meinen Tagesrhythmus ein bisschen in Ordnung bringen, hat sich leider nicht erfüllt. Katzen haben selber auch keinen... Und das Chaos in meiner Bude ist auch nicht deutlich weniger geworden. Eher im Gegenteil... Naja, vermissen werde ich die beiden schon, wenn Tatjana sie demnächst wieder abholt...

12.8.06 02:49


Allensbach: Nachteile der Globalisierung überwiegen

Gestern fiel mir in der Geldbörse auf, wie viele Staatsoberhäupter wir jetzt so haben: die Königin der Niederlande, den König von Belgien, den Großherzog von Luxemburg und Don Quijote de la Mancha. Dafür kamen die Äpfel bei Kaiser's inzwischen aus Brasilien und die Zwiebeln aus Neuseeland (also vom anderen Ende der Welt).

Auf den Schreck hin musste ich erstmal zu McDonald's gehen, um deutsches Rindfleisch und fritierte deutsche Kartoffeln zu bekommen (die wahrscheinlich von polnischen oder ukrainischen Saisonarbeitern geerntet wurden).

Einer aktuellen Allensbach-Umfrage zufolge sehen immer mehr Deutsche die Globalisierung pessimistisch:
78 % fürchten die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland,
61 % befürchten die Verringerung von Arbeitsplätzen,
54 % sehen das soziale Netz gefährdet,
49 % erwarten Vorteile vor allem für Wohlhabende.

Insgesamt überwiegen für 47 % die Risiken, nur 20 % erwarten, dass die Chancen größer sind.

"Exportweltmeister" mag Deutschland ja noch sein, doch was steht wirklich dahinter? Die Mehrheit der Exportgüter bestehen zu einem Großteil aus importierten Vorprodukten oder Teilen, die hier nur verarbeitet oder zusammengeschraubt werden; manche werden sogar einfach nur importiert und teurer weiter exportiert. Das Gros der Arbeit wird längst woanders gemacht. Inzwischen gehen sogar mittelständische Unternehmen mit Teilen der Produktion nicht nur nach Ungarn oder Tschechien, sondern bis nach China.

Doch bei aller Unternehmerschelte können wir Verbraucher uns nur an die eigene Nase fassen: Kaufen wir nicht auch lieber billige Elektronik, die vollständig oder zum größten Teil in Fernost hergestellt wurde?

Wie viele große Namen sind in den letzten 20 Jahren schon verschwunden oder fristen ein Nischendasein? Zuletzt musste Siemens seine Handysparte nach China "exportieren". Und diese Unternehmensverkäufe sind in den "Exportweltmeister"-Zahlen sicher enthalten.

Deutschland gehört zur Weltspitze, was Innovationen (Patente) angeht. Mit diesem Pfund könnten wir wuchern. Doch Ingenieure und Techniker sind knapp auf dem Arbeitsmarkt, und Wissenschaftler wandern aus, weil sie woanders bessere Forschungsbedingungen finden. Deutsche Nobelpreisträger gab es in den letzten Jahren genug, nur arbeiteten sie nicht in Deutschland, sondern in den USA oder der Schweiz.

3.8.06 06:41


Ge|'sund|heits|re|'form

Was ist das eigentlich für ein schreckliches Wort? "Gesundheitsreform". Wie kann man Gesundheit "reformieren"? Entweder ist man gesund oder man ist krank. Nun gut, unter Internisten soll das Wort gelten: "Wer gesund scheint, wurde nur nicht hinreichend untersucht." Und man spricht ja auch vom "Gesundheitszustand", wenn es darum geht, "wie gesund" jemand ist, d.h. welche Krankheiten jemand in welcher Ausprägung hat. Dieser Gesundheitszustand kann auf zweierlei Art "reformiert" (neugestaltet) werden: Einerseits kann ich einen Unfall erleiden oder krank werden, andererseits kann ich Besserung oder gar Heilung erfahren.

Wie "gesund" ist nun das "Gesundheitswesen" (bei diesem Wort muss ich an ein Gespenst denken, dass ahnungslose Menschen im Nachtschlaf überfällt, um sie mit Gesundheit zu belästigen) und in welche Richtung "reformiert" sich dieser Zustand?

Dazu nur zwei kurze Auszüge aus einem kurzen Interview der Internetredaktion der "BKK Diakonie" mit deren Vorstand:

Die Krankenkassen sollen sich künftig nicht mehr direkt aus Beiträgen ihrer Mitglieder finanzieren, sondern erhielten ihre finanziellen Ressourcen vom Staat aus einem Gesundheitsfonds zugewiesen. Der Gesundheitsfonds soll sich hauptsächlich aus steuerähnlichen Abgaben der Versicherten und ihrer Arbeitgeber speisen. Durch dieses Vorhaben würden die Krankenkassen ihre Finanzautonomie verlieren und wären finanziell vom Staat abhängig. [...]

 

Die Reform, wie sie jetzt angekündigt wird, wird zu weniger und nicht zu mehr Wettbewerb im Gesundheitssektor führen, obwohl genau das Gegenteil angekündigt worden war. [...]

 

Das Gespenst wird also wohl kränker. Seine Knochen bröseln weiter, das Bettlaken, in das es sich hüllt, zerfranst, reißt und vergilbt immer mehr, und die Ketten rosten und quietschen von Jahr zu Jahr stärker.

Das Mittel gegen meine chronisch verstopfte Nase musste ich mit "grünem Rezept" selber zahlen, und für eine Vorsorgeuntersuchung auf "grünen Star" beim Augenarzt hätte ich ca. 15 Euro aus eigener Tasche zahlen müssen. Eine solche "Grüne Welle" hätte ich eigentlich von einer schwarz-roten Koalition nicht erwartet... Es wird immer teurer, seine Gesundheit, wenn sie angegriffen ist, konstruktiv "reformieren" zu lassen, besonders als "Hartz-IV"-Empfänger, der (30 % unter der "Armutsgrenze" nach EU-Richtlinie) schon wegen des "Eintritts" von 10 Euro je Quartal den "Hintern zusammenkneifen" muss...

3.8.06 01:01


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